Texte

Der Kosmos Hans Wiesenhofers

von Alexander Gatterer, Kunsthistoriker Wien, 2012

 

Submarine Phytoramen

Nicht von ungefähr wählte der gebürtige Steirer Künstler das "Meer der Kärntner", den Wörthersee, als sein "Altersdomizil" Die Faszination Wasser mit seinem facettenreichen Licht- und Farbenspiel ließ den passionierten Taucher seit seiner frühen Schaffensphase nicht mehr los.

In den aufwendig inszenierten, stark performativen Unterwasser-Mal-Aktionen der 1970er Jahre versuchte er, dem Konzept der Plein-Air-Bewegung folgend, den Motiven seiner Darstellungswelt möglichst nahe zu sein, um anhand direkter Gegenüberstellung des abzubildenden Objekts und unmittelbarer Einbindung des Subjekts seine Arbeiten spontaner, erruptiver und somit gefühlsmäßig ``echter´´ zu gestalten. Die in einer fix montierten Metallkonstruktion verankerte, durchsichtige Plexiglasplatte ermöglichte so eine detailgenaue Matrix, quasi eine Art emotional angereicherte, seismographische Durchschrift der gesehenen submarinen Wirklichkeit zu erstellen. Durch den delikaten, sparsamen und stellenweise transluziden Farbauftrag, gepaart mit die Abstraktion begünstigenden Aggregatzuständen, enstehen intime Pflanzenstilleben, die in ihrer elementaren Dislokation eine reizvolle metaphysische Abgehobenheit evozieren.

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Von der Kunst die Natur neu zu erschaffen

Erst wenn ein Künstler sein Unvermögen ein exaktes Abbild des Gesehenen zu erzeugen akzeptiert, kann er beginnen sich im Rahmen dieses "Handicaps" wirklich kreativ zu entfalten.

Dieses paradoxe Parameter steht nicht nur am Anfang jeglicher abstrakter Entwicklung der Kunstgeschichte, sondern stellt vielmehr das absolute Paradigma für die Darstellung innerer Gefühlswelten in der Bildenden Kunst dar. Denn nur wer diese Mimikry überwindet, vermag mehr als nur zu kopieren, - seine unzulängliche Ausdrucksweise anzupassen - , und somit Inhalte zu transportieren, die auch lesbar durch menschlichen Geist gefiltert mit dritten Personen kommunizieren können. Gerade dieser psychoanalytische Schritt ist es was Kunst berührend oder aufrüttelnd macht und somit den Betrachter in eine phantastische Welt entführt, deren sensorale Intensität ihm seine eigene Nichtigkeit vor Augen führt.

Dieser Aspekt scheint mir für die Auseinandersetzung mit den Arbeiten Hans Wiesenhofers, speziell in deren Entwicklung der letzten Jahre besonders wichtig.

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PASSION: Transparenz

Aus ursprünglicher, umstandshalber Notwendigkeit wurde leidenschaftliche Faszination. Galt es anfänglich einen möglichst robusten, aber gleichzeitig biegsamen, die seismographischen Wellenbewegungen des Wassers absorbierenden Werkstoff für seine submarinen Malaktionen zu finden, wurde das Acrylglas fortan zum auserwählten, alleinigen Material für den Künstler. Dabei liegen dieser Begeisterung ablesbar die einzigartigen und mannigfaltig kompatiblen Eigenschaften des Substrars zugrunde: In seiner Leichtigkeit, Luftigkeit und Transluszidität etspricht der Kunstoff in seiner transzendentalen Stofflichkeit exakt den inhaltlichen Vorstellungen Hans Wiesenhofers. In fließenden Bewegungen werden die harten Kanten zu organoplastischen Formen gegossen. Gerade diese Polarität, die sämtliche Objekte wie erstarrte Verschmelzungen erscheinen läßt, wie eingefrorene Schwingungen einer sich windenden, gallertartigen Substanz, steigert den Reiz der in zeitaufwendiger Thechnik produzierten Plastiken ungemein.

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